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Dokument
W. Stückrath: Zum Wandertag ein Gruß vom Mensfelder Kopf (Der Taunus 15, Nr. 5, 1930)
1930
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- Schrift:
- Fraktur
- Sprache:
- Deutsch
- Bearbeitungsstand
- Geprüft
Zum Wandertag ein Gruß vom Mensfelder Kopf.
(Horndel – Horntalsberg.)
Von W. Stückrath (Mensfelden).
Was? Er, der alte, graue Kopf dort oben soll nun häufiger als sonst Besuch bekommen aus weiterer Ferne, in größeren Scharen! Kaum glaublich! Nur vereinzelte fremde Wanderer, meist vom Zufall hierher geführt, von eingesessenen Menschen stolz auf ihren „Horndel“ aufmerksam gemacht, beehrten ihn bisher mit einem Besuch. Ihnen zeigte er von seiner bescheidenen Höhe aus die Herrlichkeit des mittleren Nassaus. Nur die Einheimischen kennen ihn genau. Sonntags bildet er ihren Zielpunkt. Ich kenne ihn nun nahezu elf Jahre. Immer wieder erschließen sich mir von ihm aus in seiner unmittelbaren Umgebung neue Herrlichkeiten, Zauber der Heimatnatur.
Ja, einstmals vor dem großen Kriege war es, da sah man des öfteren Männer in schmucken Uniformen, mit blitzenden Helmen und Orden, breit rosabestreiften Hosen, sich hier ergehen. Aber von ganz anderen Gesichtspunkten erfuhr er zu jener Zeit seine Würdigung, eine Würdigung, die dem Sinne berauschenden Naturgenusses vollkommen gegensätzlicher Art ist. Zerstörung, Vernichtung. Doch Dank dem Schöpfer und Meister der Welten! Der Berg blieb verschont vom aufregenden Getöse und Morden aufeinanderprallender Interessen.
Einmal, um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts, sah er ungeheure Menschenmassen auf seiner Höhe vereinigt. Feuer loderten, Fahnen wehten. Begeisterte Worte sprühten. Weithin ins Land ein Aufruf, die Begrenztheit zu verlassen, die Herzen der deutschen Brüder zu verbinden. Aber sie waren ja doch verbunden! Gewiß, das äußere Band fehlte noch und sollte geschmiedet werden. Trauernd mußte es der alte Graukopf vernehmen, wie wenig Anklang anderen Ortes der Hauch seiner Höhen fand. Mißmut erregte er.
Derartige Abwechslung durfte er Zeit seines Daseins öfters miterleben. Er sah, wie Lubentius das Christentum in unsere Heimat brachte und manches mehr. Doch Geschichte geht und kommt. Gleich bleibt die Natur, gleich die Sehnsucht, des Meisters Werk von erhabenem Standpunkt aus mit durstender Seele in sich aufzunehmen: der köstlichste und heiligste Genuß.
Darum, frisch auf, ihr Taunidinnen und Tauniden, zum Wandertag! Das Dampfroß mag euch zum Teil ein Stück eures Weges die Last (Verzeihung, ich meine natürlich das Vergnügen) einer längeren Wanderung abnehmen. Füllt die Bahn mit wollenden, frohen Wanderscharen zu Fahrt und Wanderung! Doch nicht ganz zum Ziele fahren! Das würde